Impulse zur Kommunalwahl

Gedenken fortführen, Antisemitismus widerstehen - Impuls Nr. 58 - Jan Gehrke, Listenplatz 1

Heute jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Wie jedes Jahr wurde die Gedenkveranstaltung in der Nürnberger Reformations-Gedächtnis-Kirche von Jugendlichen gestaltet, die sich mit dem Schicksal von Opfern des Holocaust auseinander setzten. Ich halte es für sehr wichtig, dass junge Menschen in unserer Stadt verstärkt in das Gedenken eingebunden werden. Sie und ihr Umgang mit der Geschichte sind entscheiden für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Erschreckender Weise nehmen antisemitische Äußerungen und Gewalttaten in Deutschland wieder deutlich zu. Daher ist es entscheidend, die Berichte der Zeitzeugen lebendig zu halten. Haben Sie schon einmal mit Zeitzeugen des Holocaust gesprochen? Falls nicht, informieren Sie sich doch, wo solche Zeitzeugen in der Region sprechen.

Die Zeitzeugen werden jedoch immer weniger. Daher finde ich es bemerkenswert, dass junge Erwachsene es sich zur Aufgabe gemacht haben, die neuen Zeugen zu sein, die berichten, was sie von den Zeitzeugen gehört haben. Dazu haben sie die Erzählungen von Betroffenen des Holocaust auf Video aufgezeichnet, auch in Nürnberg, um sie für die nachfolgenden Generationen zu dokumentieren: https://zeugen-der-zeitzeugen.de

Ich selbst bin sehr dankbar, dass ich vor einigen Jahren dem Ehepaar Zwi und Regina Steinitz bei einem Besuch in ihrer Wohnung in Tel Aviv begegnen durfte. Zwi Steinitz überlebte mehrere Vernichtungslager und einen Todesmarsch. Im vergangenen August ist er verstorben. Ich empfehle folgende Zeitungsberichte zur Lektüre anlässlich des heutigen Gedenktages:

https://www.welt.de/politik/ausland/article199123713/Holocaust-Ueberlebender-Zwi-Helmut-Steinitz-Ich-kannte-keine-Rache.html

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/juedin-regina-steinitz-nazizeit-mein-liebling-auch-du-haettest-dein-maul-gehalten-li.5067

Lassen Sie uns gemeinsam denjenigen mutig widerstehen, die den Holocaust leugnen oder ihn verharmlosen wollen. Und lassen Sie uns mit Zivilcourage dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs hier sicher leben können, insbesondere auch die jüdischen.

Zeit für Menschen - Impuls Nr. 57 - Christian Rechholz, Listenplatz 4 und Oberbürgermeister-Kandidat

Neulich habe ich von einer tollen Idee gelesen, die mich sofort begeistert hat.

Ein ganz normaler Tag im Supermarkt, vor uns Menschen in der Schlange. Jeder hat es eilig, manche schauen schon genervt auf die Uhr, andere tippen etwas in ihr Handy. Dann kramt die ältere Dame, die gerade an der Reihe ist, ihr Kleingeld aus dem Portemonnaie. Sie glaubt, damit der Kassiererin einen Gefallen zu tun. Die Unruhe in der Schlange steigt, einige lauern sprungbereit, falls vielleicht eine weitere Kasse öffnet, andere stöhnen laut hörbar auf, als die Kundin dann noch die Kassiererin fragt: „Gell, Sie haben auch einen stressigen Tag. Wie lange müssen Sie heute noch arbeiten?“

Doch für solche Gespräche haben wir in unserer hektischen Zeit keine Zeit mehr. Jeder ist unter Druck oder macht sich diesen selber. Und hier kommt die tolle Idee ins Spiel, sie stammt aus den Niederlanden. Dort gibt es jetzt Plauderkassen, an denen solche Gesten und Gespräche möglich sind, ohne dass entnervte Kunden hinten drängeln. Eine schön Idee, die uns aber auch zu denken gibt, wieso es so etwas überhaupt braucht.

Zum einen, weil wir immer hektischer werden und uns in dieser Eile kaum um andere Menschen kümmern. Die Zeit drängt schließlich. Da bleibt keine Zeit für ein kurzes Gespräch. Ist diese Hektik wirklich immer nötig oder sollten wir nicht auch entschleunigen? Zum anderen aber auch: Es gibt viele vereinsamte Menschen, gerade in unseren großen Städten. Diese Menschen wünschen sich Aufmerksamkeit, Zuwendung, ein paar nette Worte. Sie wünschen sich etwas Zeit vom Gegenüber, nur ein klein wenig.

Ich habe eine Zeitlang mit im Therapiezentrum meiner Schwägerin gearbeitet. Dort ist mir aufgefallen, wie viele, vor allem ältere Menschen Redebedarf haben. Für die ein paar gewechselte Sätze extrem wichtig sind, vielleicht der einzige persönliche Kontakt an diesem Tag. Ich glaube, auch Arztpraxen sind deswegen so gut besucht, weil viele Menschen dort auch einfach mal reden und etwas loswerden wollen. Da sind solche Plauderkassen doch eine schöne Idee, denn der Besuch beim Arzt oder im Supermarkt ist für manche Menschen vielleicht der Höhepunkt des Tages. Noch schöner wäre es, wenn wir solche Extra-Kassen nicht bräuchten, weil wir alle unseren Mitmenschen etwas mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung widmen. Oft kennen wir in den Städten ja noch nicht einmal den Namen der Nachbarn im Mietshaus. Ein paar liebe Worte im Treppenflur, ein kurzes Gespräch beim Bäcker, die Unterhaltung in der U-Bahn, statt sich nur mit dem Smartphone zu beschäftigten. Der Gruß an die Putzfrau oder ein morgendliches Lächeln für den Busfahrer. Alles nicht so schwer und doch fällt es uns so schwer.

Diese Zeit für Menschen kann man nicht politisch verordnen. Aber sie scheint mir genauso wichtig wie etliche Anträge im Stadtrat. Denn auch das sorgt für ein gutes, ein freundliches Klima in der Stadt, und dazu kann jeder von uns beitragen.

Inklusion mutig anpacken... - ...beginnt im Kopf - Impuls Nr. 56 - Jan Gehrke, Listenplatz 1

Wie nehmen Sie Menschen wahr, die Sie neu kennenlernen? Achten Sie auf das Aussehen? Auf die Gestalt? Auf die Ausdrucksweise? Welche Besonderheiten fallen Ihnen zuerst auf?

In unserer Gesellschaft, auch in der Nürnberger Stadtgesellschaft, ist es leider nicht so, dass Menschen, die sichtbar beeinträchtigt sind, in großer Zahl selbstverständlich überall dabei sind.

Mein eigener Vater war schwerbehindert und sichtbar beeinträchtigt durch einen Unfall im jungen Erwachsenenalter. Ich habe ihn jedoch nie als behinderten Menschen wahrgenommen. Ich kannte ihn ja nicht anders, und er war ja noch viel mehr: Ein geistreicher und unterhaltsamer Mann, der andere gerne und oft zum Lachen brachte und von dem man sehr viel lernen konnte. Ein Werktätiger, der für seine motivierte und kollegiale Arbeitshaltung geschätzt wurde. Und nicht zuletzt ein Ehemann und Vater von vier Kindern.

Wir von der ÖDP wünschen uns, dass es für jede und jeden von uns in Nürnberg selbstverständlich wird, vollständig dazu zu gehören. Dass alle Mitglieder der Stadtgesellschaft von klein auf gemeinsam lernen und leben, egal ob mit oder ohne sichtbare und nicht sichtbare Beeinträchtigung. Das erfordert zunächst einmal eine Entscheidung im Kopf: „Ich möchte, dass niemand aufgrund seiner Besonderheiten separiert wird, und ich möchte lernen, wie wertvoll und bereichernd es ist, andere mit ihren ganz individuellen Begabungen, Stärken und Schwächen wahrzunehmen und kennenzulernen. Ich möchte mithelfen, dass Barrieren abgebaut werden, die einzelne hindern, sich an bestimmten gesellschaftlichen Bereichen zu beteiligen.“

Lassen Sie uns in diesem Sinne Inklusion in unserer Stadt mutig anpacken!

Familienleben und Kita gut vereinbaren - Impuls Nr. 55 - Patrizia Beier, Listenplatz 25

Kitas und die Eltern der Kita-Kinder sollten sich bei der Erziehung der Kinder sinnvoll ergänzen. Eine Selbstverständlichkeit. Oder?

In Nürnberg gibt es für Kitas und Horte Kernzeiten mit Anwesenheitspflicht für die Kinder. In den Kinderkrippen sind diese von 9-12 Uhr. Kinder unter drei Jahren, deren Eltern nachmittags arbeiten, müssen demnach die Krippe auch dann ganztägig besuchen, wenn ihre Eltern den Wunsch hätten, einen Teil der Zeit mit ihnen zu verbringen.

In diesem Fall kann man nicht von einer Ergänzung sprechen, denn die gemeinsame Zeit in der Familie wird per Vorgabe beschränkt. Wünschenswert wären Kitas, die sich auch an den Bedürfnissen der Familien orientieren.

Deshalb fordere ich mit der ÖDP flexible Kinderbetreuungsangebote mit hoher Qualität und Unterstützung von Familien, die ihre Kinder zuhause betreuen wollen.

Individuelle Kinder, vielfältiges Schulsystem - Impuls Nr. 54 - Tabea Hager, Listenplatz 8

So unterschiedlich Kinder und Familien sind, so individuell sind die Lernweisen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler. Manche brauchen kleine Lerngruppen, in denen sie sich selbstständig und in ihrem eigenen Tempo Zusammenhänge erarbeiten können. Andere flüchten vor dem Notendruck und der frühen Leistungsselektion in der vierten Klasse und profitieren von Gesamtschulkonzepten. Und Weitere wünschen sich eine bestimmte konfessionelle Ausrichtung der Schule. Einrichtungen, die dies ermöglichen, haben eines gemeinsam: Sie sind freie Schulen und werden finanziell deutlich weniger unterstützt als öffentliche Schulen. Die Stadt Nürnberg unterstützt öffentliche Schulen mit 1880 € pro Schüler und Jahr. Für Schüler an freien Schulen werden dagegen nur 5-10% davon ausgegeben. Um die laufenden Kosten des Schulbetriebes trotzdem decken zu können, müssen freie Schulen ein Schulgeld erheben. Auch wenn es für finanziell schwächer gestellte Familien solidarische Vergünstigungen (zu Lasten der restlichen Elternschaft) gibt, schrecken die hohen Kosten viele ab und vermitteln ein fälschliches Bild von elitären Schulen.

Deshalb fordere ich mit der ÖDP, die finanzielle Gleichstellung aller Schulen, unabhängig von pädagogischer oder konfessioneller Ausrichtung.

Sichere Schulwege - Impuls Nr. 53 - Christopher Klemenz, Listenplatz 27

Unsichere Verkehrssituationen, unaufmerksame Autofahrer, unübersichtliche Stellen und Sichthindernisse. Das ist der Alltag für viele Schülerinnen und Schüler unserer Stadt auf ihrem täglichen Weg in die Schule. Aber auch fehlende Ampeln und Zebrastreifen sowie eine mancherorts unzureichende Beleuchtung schaffen ein ungutes Gefühl.

Wir brauchen hier Veränderungen! Eine Verbesserung der Schulwege ist meines Erachtens dringend geboten. 

Daher fordere ich: Im gesamten Stadtgebiet werden individuelle Verkehrskonzepte von der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit den Schulen und Kindertageseinrichtungen, und gerade auch unter Einbindung von Eltern und Kindern erarbeitet und umgesetzt.

Trinkwasserbrunnen für alle frei zugänglich - Impuls Nr. 52 - Inga Hager, Listenplatz 2

Auch wenn es der Jahreszeit entsprechend in der Innenstadt momentan nicht heiß ist, so ist zu vermuten, dass der nächste Sommer auch wieder viele Stadtbesucher Schatten suchen und dursten lässt. Zumindest war meine Enttäuschung groß, als ich einmal durstig am Hauptmarkt den öffentlichen Wasserhahn aufsuchte und ein Schild mit der Aufschrift „kein Trinkwasser“ daran angebracht vorfand.

Zur Gesundheitsvorsorge der Stadtbevölkerung und ihrer Gäste ist eine ausreichende Anzahl an Trinkwasserbrunnen dringend geboten. Diese sollen so beschaffen sein, dass man direkt daraus trinken, aber auch mitgebrachte Trinkflaschen daran auffüllen kann. Wenn außerdem in Bodennähe eine Auffangschale angebracht ist, können auch Tiere daraus trinken.

Außer auf Plätzen in der Innenstadt ist ein Trinkwasserzugang auch an Kinderspielplätzen und in Parks wichtig.

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