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23.06.2020

Wohin läuft unsere Wirtschaft

Seit vielen Jahren hat man das erste Mal das Gefühl, dass außer Wirtschaftswachstum auch noch etwas anderes zählt. Corona wirft vieles über den Haufen, auf das wir uns immer blind verlassen haben. Wir haben in zu vielen Bereichen alles ausgereizt, um die Wirtschaftlichkeit zu maximieren. Und plötzlich müssen wir dankbar dafür sein, dass wir in Deutschland (noch) nicht so viele Krankenhausbetten abgebaut haben, wie es die Kostenoptimierer vorgerechnet haben. Es ist schon schlimm genug, dass viele notwendige Dinge wie wichtige Medikamente nicht mehr bei uns produziert werden.

Es ist gut, dass in der jetzigen Situation genau die Menschen Wertschätzung erfahren, die sich beruflich um andere kümmern, denn leider wurden genau sie in den letzten Jahren immer stärker belastet. Selbst die Betreuung der Kinder, der Alten, der Kranken sollte immer effizienter werden, d.h. immer weniger Personal sollte sich um immer mehr Menschen kümmern. Diese Berufsgruppen sind in der Regel nicht diejenigen, die von den Subventionen für Dienstwagen profitieren oder irgendwelche Boni kassieren.

Stattdessen sind sie die Hauptleidtragenden eines Wirtschaftssystems, das Arbeitsleistung in den letzten Jahrzehnten immer stärker belastet hat. Dagegen wurde die Zerstörung von Allgemeingut wie saubere Luft, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und ein gesundes Lebensumfeld möglichst billig gemacht. Als Ökologen haben wir die Hoffnung, dass unser Steuersystem das Wort „Steuern“ bald ernst nimmt und zukünftig Arbeit mit weniger Abgaben belastet. Stattdessen gehört die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen massiv verteuert. Vielleicht hilft uns Corona dabei, hier endlich langfristiger zu denken.

Doch werden viele Wirtschaftsbereiche jetzt im Hintergrund genau dagegen arbeiten. Die etablierten Parteien inklusive der Grünen bekommen viel finanzielle Unterstützung aus der Finanzbranche, von den Automobilherstellern und den großen Energieversorgern. Wir müssen deshalb gespannt sein, wie sich die Verantwortlichen entscheiden werden. Milliardengelder in die Förderung von Verbrennungsmotoren zu stecken ist definitiv rückwärtsgewandt, die Zukunft sind neben der Digitalisierung eine saubere Energiegewinnung und die Kreislaufwirtschaft. Dort voranzukommen bedeutet für Deutschland und Europa zukunftsfähiger zu werden. Abwrackprämien dagegen sind eine Beleidigung für Ökonomie und Ökologie. Es ist traurig, dass sich auch ein grüner Ministerpräsident dafür ausspricht.

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